
Schreien stellt eine Entwicklungsphase bei allen Babys dar. Die Dauer des Quengelns und Schreiens zeigt in den ersten 3 Lebensmonaten bei vielen Babys dabei einen typischen Verlauf:
Im Alter von 1-2 Wochen schreien Babys im Durchschnitt etwa 2 Stunden pro Tag. Mit 6 Wochen zeigt sich bei den meisten Babys dann der Höhepunkt der Schreidauer mit etwa 2 Stunden und 15 Minuten täglich. Mit 3 Monaten reduziert sich das Schreien dann auf durchschnittlich 70 Minuten pro Tag.
Bereits von Geburt an unterscheiden sich Babys allerdings stark bezüglich ihrer Schreidauer. Manche Babys schreien nur eine Stunde oder weniger am Tag, andere 3 oder mehr Stunden. Diese Unterschiede sind vollkommen normal. Übrigens quengeln und schreien Babys am späten Nachmittag und abends am meisten.
Die nachfolgende Grafik zeigt Ergebnisse einer großen Studie (Wolke, Bilgin & Samara, 2017) zur Schreidauer bei Babys. Hier können Sie ablesen, wie viel Babys in den ersten 3 Lebensmonaten ungefähr schreien:
Schrei-/Quengeldauer bei Neugeborenen in den ersten 12 Wochen
Bitte beachten Sie, dass es sich bei den hier angegebenen Werten lediglich um Durchschnittswerte handelt. Die Schrei-/Quengeldauer kann bei jedem Kind individuell variieren. Die Grafik dient der Orientierung bei der Einordnung der Schrei-/Quengeldauer des eigenen Kindes. Copyright® Wolke, Bilgin & Smara (2017).
Auf der unteren Achse ist das Lebensalter in Wochen eingetragen. Die linke Achse bildet die Quengel- bzw. Schreidauer in Minuten ab. Ist Ihr Baby z. B. 6 Wochen alt, orientieren Sie sich an der unteren Markierung „5-6“. Angenommen Ihr Baby schreit schätzungsweise 3 Stunden am Tag – also 180 Minuten – so liegt diese Schreidauer auf dem 75. Perzentil. Dies bedeutet: 75 % aller Babys im Alter von 6 Wochen schreien genauso viel oder weniger als Ihr Baby, die restlichen 25 % aber auch mehr.
Mit etwa 3 Monaten haben viele Babys bereits einen regelmäßigen Tagesrhythmus und auch tagsüber ruhigere und aufmerksamere Wachphasen. Das Schreien wird um den 3. Lebensmonat herum in den meisten Fällen weniger.
Dennoch gilt dies wiederum nicht für alle Babys. Obwohl zu diesem Thema bereits häufig geforscht wurde, gibt es bisher keine definitive Antwort darauf, weshalb manche Babys mehr und andere weniger schreien. Eine mögliche Erklärung liegt in den Temperamentsunterschieden:
Ihr Kind ist ein kleines Individuum, das von Beginn an bestimmte Wesensmerkmale mitbringt, die es unverwechselbar machen. Manche Babys sind zum Beispiel sehr sensibel und schnell überfordert mit neuen Situationen. Andere Babys sind besonders aktiv – sie lieben Aufmerksamkeit und sind sehr interessiert an neuen Reizen, lassen sich kaum aus der Ruhe bringen. Dass Babys unterschiedlich viel und unterschiedlich lange schreien, kann auch daran liegen, dass sie in ihrem jeweils eigenen Tempo lernen, sich selbst zu regulieren und zu beruhigen.